Wehrer Kessel

 
     
 

Der Wehrer Kessel ist ein zwischen dem Riedener Vulkan und dem Laacher See gelegenes Trockenmaar. Dieses entstand durch die Bildung einer Caldera (= rundlicher Kessel) mit einer Längserstreckung von ca. 2.000 m und einer Breite von maximal 1.750 m, wobei die Längsachse in NW-SE-Richtung, also quer zum Schichtstreichen des devonsichen Grundgebirges verläuft. Die Ausbildung der Caldera beruht auf dem Einbruch von Hohlräumen, die sich durch die Förderung von Bimsen und Tuffen aus einer Magmakammer gebildet hatten.

Im Südwesten des Kessels befindet sich die Ortslage Wehr; im Nordosten wurde ein Naturschutzgebiet ausgewiesen, um die besondere Flora zu schützen, die sich durch die Kohlensäure- und Mineralwasser-Austritte entwickelt hat. Aufgrund dieser natürlichen CO2-Exhalationen versuchte man bereits im vergangenen Jahrhundert mit halbkugelförmigen Eisenbehältern das Gas zur wirtschaftlichen Nutzung aufzufangen. Diese Versuche verliefen ebenso negativ wie eine Tiefbohrung, über die keine Einzelheiten erhalten geblieben sind. Erst nach dem 2. Weltkrieg wurden durch die Firma Kronprinzen-Sprudel Bad Hönningen erfolgreiche Bohrungen ausgeführt, durch die natürliche Kohlensäure gewonnen, verflüssigt und vertrieben werden kann. Der Maarkessel wird im Übrigen landwirtschaftlich genutzt, nachdem das vorwiegend sumpfige Gelände dräniert wurde. Als Vorfluter für die Entwässerungsgräben dient der Wirrbach, der im Norden den Kessel verlässt und in den Brohlbach mündet.

 

 
     
 

Entstehung des Wehrer Kessels

 
 

Die Erforschung der Eruptionsgeschichte des Wehrer Vulkans war zuerst nur durch schichtenkundliche und gesteinsmäßige Bestimmung der abgelagerten Auswurfmassen möglich, bis es durch die im Kessel ausgeführten CO2-Bohrungen möglich war, die Kraterfüllungen selbst zu erkunden. Die folgenden Aussagen stützen sich auf eine 1991 angefertigte Arbeit von K. Shamsabadi, einem Schüler von Prof. Wörner. Letzterer hat sich bereits seit 1977 mit den vulkanologischen Problemen des Kessels befasst. Die Ausbrüche des Wehrer Vulkans liegen, wie bereits erwähnt, zwischen denen des Riedener und Laacher Vulkans und umfassen, wie bei den beiden anderen, mehrere Phasen. Dabei sind verschiedene Fördermechanismen erkennbar, die bei der Beschreibung der Entstehungsgeschichte kurz erläutert werden. In der ältesten Eruptionsphase wurden die Ablagerungen des Riedener Vulkans im ursprünglichen oberen Wirrbachtal etwa 300.000 Jahre vor heute von Basaltmagma durchbrochen, das den Mairother Kopf und den Tiefenstein aufbaute. Vermutlich intrudierte etwa zur gleichen Zeit der sog. "Wehrer Dom" (ein Nosean-Phonolith) inmitten des späteren Kessels. Er wurde durch zwei Bohrungen in 65 - 377 m Tiefe nachgewiesen, wohin er durch späteres Einbrechen der Magmakammer abgesunken ist. Die folgenden trachytischen Bims- und Aschenablagerungen werden als Hüttenberg-Bims 1 bezeichnet. Ihr Ausbruch erfolgte in mehreren Phasen, wobei zuerst sog. Surge-Ablagerungen durch materialarme Hochgeschwindigkeits-Bodenwolken entstanden, gefolgt von plinianischen Eruptionen, bei welchen hohe Eruptionssäulen durch den Druck vulkanischer Gase entstehen. Durch teilweise Leerung der Magmakammer brach der Kessel ein, bis schließlich, etwa 215.000 Jahren vor heute, durch eine phreatomagmatische Eruption der Hüttengerg-Bims 2 ausgeworfen wurde und einen Tuffring bildete. Phreatomagmatische Eruptionen entstehen durch das Zusammentreffen von Magma mit Grund- und oder Oberflächenwasser, wobei heftige Explosionen und anschließend Nachbrüche erfolgen können. In den Bohrungen angetroffene Sedimente von 10 - 20 m Mächtigkeit lassen auf die Bildung eines Sees schließen. In diese Ruhezeit fällt der Ausbruch des basaltischen Dachsbusch-Vulkans östlich des Wehrer Kessels. Nach einer Pause von ca. 65.000 Jahren kam es ca. 151.000 Jahre vor heute zur letzten großen Eruption mit plinianisch-phreatomagmatischem Fördermechanismus; es wurde der Gleeser Bims erupiert. Dieser zeigt phonolitische Zusammensetzung mit Mächtigkeiten von 35 - 50 m im Kraterbereich. In der Folgezeit setzte die Abtragung der vulkanischen Lockergesteine ein und es entstand ein Kratersee in dem 10 - 65 m mächtige Tuffite (mit nicht magmatischem Material vermischter Tuff) abgelagert wurden. Durch diese weitgehend dichte Abdeckung wurde eine restlose Entgasung des erloschenen Vulkans verhindert, so dass man heute aus dieser wahrscheinlich größten natürlichen Gaslagerstätte der Eifel durch Bohrungen CO2-Gas gewinnen kann. Zu den Bezeichnungen "Hüttenberg- und Gleeser - Bims" sei darauf hingewiesen, dass hier der Fundort und nicht der Entstehungsort bei der Namensgebung Pate gestanden hat. Normalerweise wird bei der Bezeichnung von Schichten oder Gesteinen bzw. Mineralen jener Ort benannt, an dem die Schichten, Gesteine, Minerale entstanden sind, nämlich der "locus typicus. Hüttenberg- und Gleeser - Bims sind eigentlich Wehrer - Bims!

 
     
  Quelle: http://www.carbo.de/index.php/infos/wissenschaftliche-beitraege/die-geologie-des-wehrer-kessels